
für Schlagzeug und Zuspielung
Dauer: 2x 5'05"
UA: 10.7.2006 Freiburg, Musikhochschule; Max Riefer, Mariko Nishioka, Schlgzg.
Erstes Stück in der Reihe, die nur um fragmentierte Soundfiles geht. Das Stück existiert in zwei Versionen.
Version 1
Version 2
Programmtext
Angeregt von den Firenze-Bildern Gerhard Richters (eine Sammlung von Urlaubsfotos, welche teilweise mit abstrakten Farbschichten überzogen sind) und im Zuge meiner Diplomarbeit über "postseriellen Strukturalismus" dachte ich nach über Möglichkeiten der Verbindung von konkretem Material und strukturalistisch-parametrischer Kompositionsweise. Bei der Arbeit mit Granularsynthese am Computer schließlich eröffnete sich mir die Idee, über die "Fensterung" von Lautstärke verschiedene Grade der Erkennbarkeit bei Klangdateien systematisch auszuarbeiten, vom winzigen bunten Fetzen bis zur temporären Entfaltung eines Idioms. So lassen sich Übergänge anlegen von 'absoluter', parametrisch organisierter Musik hin zu bestehender, 'objekthafter' Musik, und umgekehrt. Ich bezeichne diesen Ansatz als 'Musik mit Musik'.
windowed 1 kann in mehreren Versionen ausgearbeitet werden.
Vorgegeben ist die Dauernstruktur, eine stochastische Verteilung
verschieden langer Ausschnitte; das dahinter liegende Klangmaterial ist
individuell wählbar, dazu die Instrumentation des Schlagzeugparts.
Das Schlagzeug ist kein homogenes Instrument, sondern eine Ansammlung
von Instrumenten aus verschiedenen Kulturen, die jeweils ihren eigenen
Charakter haben und entfalten können, je nach Platz, den man
einräumt. Ihre Signifikanz wird in der Umgebung vieler Ausschnitte
aus unterschiedlichen Musiken besonders betont. Andererseits
löscht die Mannigfaltigkeit partielle Bedeutungen wieder aus, oder
sie konkurrieren miteinander, je nach Dauern, Dichte und andere hier
streng strukturell behandelte Parameter von Klang.
Zu hören bekommen wir in dem Stück immer Ausschnitte – man
steht in einem Haus und blickt durch verschiedene Fenster hinaus.
Johannes Kreidler, Juli 2006