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Johannes Kreidler Komponist

Audioguide III (2015)

Musiktheater, uraufgeführt bei den KunstFestSpielen Herrenhausen (Hannover) am 7.6.2015

Dauer: 100'

Heloisa Amaral, Alexandre Babel, Johannes Kreidler, Tom Pilath

 

Das Video kann in extrem scharfer "4K"-Qualität (im YouTube-Player rechts unten einstellbar) angeschaut werden.

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Audioguide, in der ursprünglichen Version von über 7 Stunden Dauer, konzentriert sich in dieser Fassung auf die Fragen von Schönheitswirkungen, von der Übergröße des Medialen und dem Platz des Individuums. Vor dem Hintergrund einer ausdifferenzierten Gesellschaft, worauf die unzähligen Metalmusik-Stile hinweisen, wird im ersten Teil aus Jacques Derridas Kunstphilosophie rezitiert: „Diese Tulpe, von der ich spreche, und die ich, indem ich spreche, ersetze.“ Der Satz bezieht sich auf Immanuel Kant und dessen Idee des interesselosen Wohlgefallens, das für die Erfahrung der Schönheit zentral sei. Die Transformation in die ästhetische Wahrnehmung, hier von der Schönheit der Tulpe in Sprache, steht beispielhaft für die Erfahrung des Medialen. Und das wird im folgenden, zentralen Talkshow-Teil anhand einer symbolträchtigen kollektiven Erfahrung besprochen: die visuelle und symbolische Wirkung des 11. Septembers 2001. Bezugnehmend auf Karlheinz Stockhausens berüchtigte Pressekonferenz zwei Tage nach den Anschlägen, in der der Avantgarde-Komponist den ästhetischen Charakter der Aktion zwar unsinnigerweise verherrlichte, aber doch nicht zu Unrecht erkannte, entspinnt sich eine Theorie der hypermodernen Kunst, deren Charakter die Übergröße, die Überwältigung bis zur Totalisierung und zur Unausführbarkeit ist. Schließlich kehrt auch die Tulpe wieder, denn sie ist nicht nur Kants (und Derridas) Beispiel für die reine Schönheit, sondern war auch ganz profan Ursache für die erste moderne Spekulationsblase Europas, auf dem holländischen Markt 1637: die „Tulpenmanie“. Zuletzt erweitert sich dieser Themenkreis um Emotionales: Liebeskummer, Traumata und Rachegefühle sind die Energien, die zu Aktionen führen – es kulminiert in einer kathartischen Zerstörung von 66 Geigen als Vereinigung von Lust, Schmerz, Überschreitung und Überwältigung. „Alles geschieht um ein Grab herum“, wird Derrida noch einmal zitiert. Danach wird die Ausdifferenzierung getanzt.

Audioguide ist eine konzeptuelle Oper, aus kleinen und großen Modulen zusammengebaut, jedes mal anders, ein multimediales Sprechtheater mit und über Musik, eine Collage des Gegenwärtigen.

Audioguide III ist eine Fortsetzung von Audioguide.