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Johannes Kreidler Komponist

22 music pieces for video (2014)

Video

Dauer: 11'30"

Uraufführung: 18.10.2014, Donaueschinger Musiktage

 

"Johannes Kreidler gilt als einer der Hauptvertreter einer Richtung, die als 'Neuer Konzeptualismus' bezeichnet wird. Diese programmatische Ankündigung ist nur auf den ersten Blick aufwühlend, denn die Konzeptkunst hat bereits seit den 1960er Jahren ausprobiert, wie es möglich ist, mit Musik Kunst im Sinne des Kontextes zu machen. Hinter der Geschichte der Konzeptkunst steckt die Idee der Institutionenkritik, wie sie frühestens mit Marcel Duchamps berühmter skulpturaler Geste eines ausgestellten Urinals, dervon ihm so benannten Fontaine, ihren Ausgang nimmt. Etwas vom Geist dieser Institutionenkritik scheint gleich am Anfangvon Johannes Kreidlers Videoarbeit 22 music pieces for video durch. Auf einem sechzehnfach geteilten Monitor begeht der Komponist in sechzehn unterschiedlichen Handlungen Selbstmord. An späterer Stelle tauchen andere Formen des kompositorischen Selbstmordes auf. Das Komponieren also am Ende? – Zumindest in seiner konventionellen Form als niedergelegte Schrift in Form einer umzusetzenden Partitur. So jedenfalls könnte man eine dieser Grundideen der Videoarbeit verstehen. Es handelt sich aber auch um eine der Grundfragen eines Bildes von einer Komposition, denn in Form einer Partiturschrift kann Musik auch ein Bild sein."
(aus: Bernd Künzig: 22 Stücke für Musik?, Katalog zur Ausstellung der Donaueschinger Musiktage, Schott 2014)

 

"Auch der Komponist Johannes Kreidler bewegt sich in seiner unter Aspekten der musikalischen Form und Technik geschnittenen Video-Installation „22 Stücke für Musik“ intelligent zwischen Klang und Bild – wobei er nicht nur bei seiner multiplen Selbsttötung auf einem sechzehnfach geteilten Bildschirm mit bizarrer Selbstironie den Zusammenhang zwischen Zeichen und Bezeichnetem infrage stellt."
(Susanne Benda, Stuttgarter Zeitung 21.10.2014)

 

"Da wird ein Ball auf eine Platte fallen gelassen und hüpft, sich verlangsamend, auf und ab. Der dabei zu hörende Ton ist perfekt im Bewegungsrhythmus des Tischtennisballs synchronisiert. Der Klang selbst allerdings kaum, denn zu hören ist ein federnder Klavierklang, der nichts mit dem Geräusch eines auf und ab hüpfenden Tennisballs zu tun hat. Ganz im Sinne der semiotischen Lehre werden Bezeichnendes und Bezeichnetes als arbiträres Verhältnis akzentuiert, also als eines der willkürlichen Vereinbarung. Bei dieser Serie handelt es sich nicht um 22 Videostücke für Musik, sondern – so der korrekte Titel – um 22 Musikstücke für Video. Das heißt, die Videotechnik mit ihren Schnittfunktionen, ihren Möglichkeiten der Synchronisation von Ton und Bild und die Multiplikation des Bildes in zahllose Bildfelder sind die neuen Kompositionstechniken, die in der Tat nichts mehr mit dem traditionellen, arbiträren Zusammenhang von Schrift und Klang einer Komposition mit Partitur und deren akustischer Umsetzung zu tun haben."

(Bernd Künzig, Bewegte Musik, in der Österreichischen Musikzeitung 4/2017)

 

Auftragswerk des SWR für die Donaueschinger Musiktage 2014.

 

 

Ausstellung "Building Realities", Sächsische Akademie der Künste Dresden, 18.1.-11.3.2016:
(Dort auch: Sheet Music und Split Screen Studies)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verwandte Arbeiten:
22 Music Pieces for Video ist die zweite Videoarbeit für die Donaueschinger Musiktage nach den Split Screen Studies.