German
Johannes Kreidler Composer

Split Screen Studies (2012)

Film

Duration: 9'

 

 

 

 

Eine technische Schaltung kann den Charakter eines Kunstkonzepts haben oder sie fordert mich dazu heraus, ihr ästhetisches Potenzial zu ergründen. Ein Keyboard, bei dem ein Ton erst erklingt, wenn die Taste losgelassen wird, ein 3D-Sensor, der alltägliche Bewegungen in Geigenmusik transformiert, Schönbergs Pierrot Lunaire von einem Autonavigationsgerät gesprochen, usw. Wichtig ist mir dabei, die Technik funktional für etwas Weiteres einzusetzen, im Sinne der gehaltsästhetischen Wende (Harry Lehmann).

Mit dem Split-Screen-Verfahren experimentieren Regisseure und Experimentalfilmer schon lange: Abel Gances Napoléon (1928) ist ein Spielfilm auf drei Leinwänden, Alfred Hitchcock inszeniert mit dem Fenster zum Hof (1954) gleichzeitig ablaufende Szenen; doch erst im digitalen Zeitalter ist die Technik zu einem breit angewandten Phänomen geworden – weil es nun technisch leicht realisierbar ist, und die heutigen riesigen Datenmengen solche Darstellungsformen erfordern.

Meine Split Screen Studies befassen sich mit Möglichkeiten, aus verschiedenen, gleichzeitig laufenden Videoaufnahmen (Konzept-)Musik zu gestalten, wobei dank der visuellen Ebene auch Semantiken und Symbole darstellbar sind. Aus vielen kleinen Aktionen können Texturen gebildet werden, ähnlich wie im Orchester, hier aber mit Aufnahmen von Außerhalb des Konzertsaals, oder zeitlich voneinander logisch getrennte Momente lassen sich zusammenführen – Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen.

 

Auftragswerk des SWR für die Donaueschinger Musiktage 2012.