
"Wenn hinter Fliegen Fliegen fliegen fliegen Fliegen Fliegen hinterher" - derlei Sprüche kennt man allerorten, gerne formuliert man diesem Muster zu Folge auch "Wenn hinter Robben Robben robben..." oder, nicht ganz astrein, aber umso lustiger "Wenn hinter Griechen Griechen kriechen...". Nach langem angestrengten Nachdenken kam mir nun aber noch eine Tierart in den Sinn, deren Laut sich nicht nur statt sechs stolze sieben Mal in Folge zu syntaktischer Einheit reihen läßt, sondern auch noch das sinnstiftende Anhängsel an die verblüffende Serie erübrigt: "Wenn hinter Rochen Rochen Rochen rochen rochen Rochen Rochen".
Wahrheiten, die alle verdrängen (I): Immer wieder befinde ich mich in Situationen, in denen mein spontanes Applaus-Immitat mittels Geräuscherzeugung bei speziell geformter Mundhöhle für ein warmes Gefühl der humorvollen Anerkennung meiner Mitmenschen sorgt. Jedoch wurde hierbei letztens von einem Bekannten die Kritik laut, dass dieses Geräusch ihn vielmehr an den Speichelabsauger beim Zahnarzt erinnere, welches wohl offenbar diesen Applaus-Sound markieren solle. Ich muss unbedingt klarstellen, dass es sich genau umgekehrt verhält: Jeder Applaus ahmt in Wirklichkeit das Geräusch eines Speichelabsaugers nach. Hören Sie mal genau hin.
Wenn man eigens den gerade in Paris studierenden Freund das Geschäft ausfindig machen ließ, wo im Urlaub damals dieses Parfüm gekauft worden war, das sie so mochte, und dieses einem dann extra per Eilpost hat zukommen lassen, weil es für ihren Geburtstag bestimmt war und gleichsam ein Zeichen der Versöhnung signalisieren sollte, denn zuletzt waren einige dunkle Wolken am Liebeshimmel aufgezogen, und wenn man zusätzlich auch noch den unsäglichen Aufwand betrieben hat, einen seitenlangen Brief an sie handschriftlich zu verfassen, in dem man sich zu dem Angebot eines Neuanfangs durchringen konnte und am Ende gar hinreißen ließ zu hochnotpeinlichen Liebeserklärungen, dann kommt man sich irgendwie vom Schicksal verarscht vor, wenn man einen Tag vor besagtem Geburtstag eine wesentlich unkompliziertere und auch attraktivere Frau kennenlernt.
Als ich mit Freunden einmal in Freiburgs einziger Edeldisko logierte, überkam mich, wie mir das leider in Folge unkontrollierten Alkoholkonsums manches Mal passiert, sehr unangekündigt ein plötzliches Unbehagen aus dem Bereich des Magentrakts. Die Toilette sturmhaft erreichend, mit dem Bier noch in der Hand, geriet ich dort unerwartet in ein wahres Wechselbad der Gefühle. Schon die Tür (ich hielt mich zum ersten Mal in diesem Etablissement auf) erwies sich als elegante Schiebevorrichtung, innendrin war man von feinstem Marmordekor umgeben, und die gesamte sanitäre Einrichtung erstrahlte in edelstem Designer-Glanz, wie er mir, ganz baff, noch nie davor im Leben zu sehen genehm gewesen war; ...Und den ich dann, meine Übelkeit unmittelbar wiedererlangend, mit der ruckartigen Entleerung von allerlei Mageninhalt (innerlich noch verstört lachend) kontrapunktierte.
Historische Mißverständnisse (I): Buchtitel: Dialekt der Aufklärung (Adorno), Negativer Dialekt (ders.), Dialekt (Schleiermacher).
Mittlerweile kann ich ja nachvollziehen, daß es Leute gibt, die sado-masochistischen Sex mögen und trotzdem im Alltag jede Gewalt verabscheuen. Hat man doch im Zustand der erregten Lust ein völlig anderes Körpergefühl, wie es sich an einer ehemaligen Freundin anschaulich exemplifizierte: Ihre extreme Kitzeligkeit, die sie unter normalen Umständen so hatte, war im Bett dann bald, Achtung Wortwitz, wie weggeblasen.
Es gibt Leute, die bringen es fertig, so dermaßen höflich zu sein, dass es schon fast wieder unverschämt ist. Frage mich nun, ob der umgekehrte Fall auch möglich ist.
Höhepunkte moderner Pädagogik (I): 'Einsicht aus Überzeugung' ist in der heutigen Erziehung so etwas wie eine Grundfeste, wenn nicht überhaupt für das ganze Projekt der Aufklärung. Ich saß einmal in einem Seminar, in dem ein Student merklich unbeholfen über sein Thema referierte; als er zum Schluß gelangt war, kommentierte der Dozent nüchtern: "Das hätte man alles auch wesentlich differenzierter erörtern können, nicht wahr?" Worauf der Angesprochene innehielt, kurz nachdachte und dann bestätigte: "Ja, stimmt".
Neben dem nebulösen "u.a." werben Künstler in ihren Lebensläufen gerne auch mit Ausschnitten aus Zeitungskritiken über ihre Konzerte. Wenn aber jene Herren und Damen Kritiker (und -innen), fraglos unbestrittene Autoritäten, derart kryptisch zitiert werden, daß sie unter der Rubrik "Pressestimmen" einzig mit "großartig" (FAZ) oder etwa "sehr schön" (SZ) etc. firmieren, fragt man sich doch, ob diese aussagekräftigen Wortfetzen nicht womöglich aus Sätzen wie "So großartig die Akustik des Saales ist, konnte sie doch nichts von der schlechten Musik wiedergutmachen" oder "Sehr schön war immerhin ihr Kleid, wenn auch das einzige, was in dem Konzert gefallen mochte" usw. herausgelöst wurden. Aber wenn schon, dann packe man das Kritikerpack doch bitte gleich an der Wurzel seiner Syntax: also z.B. mit "und" (BZ), "die" (BILD), "dessen" (Bäckerblume), "Mozart" (Apothekenrundschau).
Ich hielt die Schweizer immer für außerordentlich intelligent. Bis mir nun einer begegnete, der sich nach einem Kinobesuch im Gespräch mit seiner Begleitung nicht nur dialektal klar als Eidgenosse zu erkennen gab, sondern auch unwillkürlich offenbarte, daß er die Essenz des Filmes überhaupt nicht kapiert hatte. Andererseits - warum hätte die Dummheit vor der Schweiz Halt machen sollen?
Mit einem Bekannten ins Jüdische Museum in Berlin gegangen, dem Stein gewordenen Mahnmal für Verfolgung und Ausrottung, errichtet von Daniel Libeskind. Dann der Schock: Wie pietäts- oder ahnungslos ist diese Museumsleitung, die eine Ticket-Abreisserin einstellt, welche den Besuchern am Eingang "Viel Spass" wünscht?
Laut statistischen Erhebungen hat der Deutsche im Schnitt sechs mal die Woche Sex. Da in dieser verbreiteten Information nie eine nähere Alterseingrenzung angeführt wird, gehe ich davon aus, daß tatsächlich "der" Durchschnitts-Deutsche zwischen 0 und 100 Jahren statistisch ermittelt wurde. Liest man nun aber in anderen repräsentativen Umfragen, daß es beispielsweise unter Teenagern und Studenten zahlreiche Singles gibt, die so gut wie gar keinen Sex haben, und des weiteren es in den Ehen einen prozentual nicht unbedeutenden Anteil gibt, bei dem die Lust traurigerweise fast gänzlich abgeflaut ist, außerdem natürlich streng alle koital fraglichen Praktiken wie Arztbesuch, im Schimmbad Grapschen und Flughafenkontrollen ausgeklammert sind, dann müssen ganz offensichtlich die sexuell höchst aktiven 0-9 jährigen Deutschen sowie alle deutschen Witwen (3% der Bevölkerung, Männer sterben früher) sich mächtig dafür ins Zeug legen, den Durchschnittswert in diesem Land zu halten; ich rufe ihnen darum zu: Nicht nachlassen, Kids & Omas! "Der Deutsche" wird es euch promiskuitiven Altersrandgruppen für seinen Ruf danken!
Historische Mißverständnisse (II): Musikstücke: Inderszenen (Schumann), Indertotenlieder (Mahler), Peter und der Wolf. Eine Musik für Inder (Prokofiev).
Angesichts des endgültigen kommerziellen Durchbruchs Adolf Hitlers mit der Untergangs-Hommage über ihn "Der Untergang" wird man absehen können, daß die Filmindustrie dieser Kuh auch weiterhin viel Milch abgewinnen will; wahrscheinlich wird überhaupt ein ganz neues Genre begründet sein, der "Hitler-Film", für den bald in der Videothek den Fans eine extra Ecke eingerichtet ist. Auch wird es wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen, daß man ebenfalls nicht unversucht läßt, das "Buch zum Film" in die Verwertungskette des Marktsegments zu integrieren. Ich habe schon mal einen Titelvorschlag dafür: "Mein Kampf".
Als man im Spätmittelalter anfing, Nachnamen zu verwenden, war der Beruf meist die probate Referenz; Namen wie Maier, Müller, Schmid usw., die ja bekanntlich bis zum heutigen Tag Bestand haben - höchste Zeit also für eine Aktualisierung! Darum möchte ich nun alle Leser bitten, bei jeder Erwähnung ihres Namens künftig dem Vornamen die jeweilige Berufsbezeichnung folgen zu lassen, bei verheirateten Frauen ggf. auch ihren Geburtsnamen, also z.B. "Ingrid Hausfrau vorm. Tippse", und wie in diesem Beispiel bereits ersichtlich ebenso auch mit Wechsel der Lebensumstände entsprechend die Anrede zu korrigieren, beispielsweise zu "Heinz Abteilungsleiter" oder "Gerd Bundeskanzler". Zu beachten sei hierbei noch, dass Doppelnamen künftig nicht mehr durch Eheschließung zustande kommen, sondern ebenfalls allein den heutigen Professionen entlehnt sind, wie "Robert Netzwerk-Administrator" oder "Antje Body-Vitaltrainer". Und man wird bereits prognostizieren können, dass dann die sprichwörtlichen "Hinz und Kunz" in Zukunft der Rede vom "Rentner und Arbeitslosen" weichen werden.
Ich möchte meinen dichtenden Zeitgenossen ein paar gehaltvolle, unverbrauchte aber höchst zeitgemäße Metaphern empfehlen für ihre nächste Lyrik: Natursektparty, Wichsvorlage, Edelnutte, Furzkissen, Vaterschaftsknoten, Intimschmuck.
"Durch den modernen Lebenswandel des Menschen gestalten sich längere Partnerschaften als immer schwieriger, mehr und mehr Beziehungen gehen darüber heutzutage in die Brüche", liest sich häufig; die seit Monaten Angebetete meines Bekannten ist dagegen immer noch mit ihrem Freund zusammen. Unsere Zeiten sind wirklich hoffnungslos.
Wahrheiten, die alle verdrängen (II): Jede heterosexuell veranlagte Frau ist in Wirklichkeit ein schwuler Mann in einem weiblichen Körper.
In der Schulpädagogik gibt es immer noch eklatante Fehlstellen, was mögliche weiterzugebende Bildung betrifft. Bei der Frage, welches Verb für Geschlechtsverkehr wohl das geeignetste sei, kann beispielsweise klipp und klar gesagt werden: Ficken ist unübertroffen die beste Vokabel, kommt es doch aus dem Althochdeutschen und bedeutete ursprünglich "schnell hin- und herbewegen"; eine Rehabilitierung wäre hier also wohl höchst angebracht. Eines jedenfalls muss mit aller Härte bekräftigt werden: Der Ausdruck "Miteinander Schlafen" ist völliger Schwachsinn.
Man muß meine Meinung nicht teilen, aber ich finde Rainer Maria Rilkes Lyrik unheimlich beschissen - genau jene apolitische, gesellschaftsblinde Gefühlsduselei, die eigentlich für immer aus dieser Welt verbannt gehört. So bitte ich um das innigste Mitgefühl, wenn man sich nun mein Grausen vorstellt, wie zum Abschluss eines langen Telefonats meine Gesprächspartnerin sagte, sie lese mir jetzt noch ein Rilke-Gedicht vor und lege danach auf.
Höhepunkte moderner Pädagogik (II): "Spiel's mit deinem Schwanz!" (Antwort eines spanischen Klavierprofessors auf die Frage von seinem 12jährigen Schüler, mit welchem Finger er diesen Ton spielen solle).
Historische Missverständnisse (III): Geschichtsdaten: Denke ich an den 11.9.2001, überkommt mich große Trauer, denn an diesem Tag trennten sich endgültig meine damalige Freundin und ich; auch der 9.11.1989 ist mir in schmerzlicher Erinnerung, lag ich damals doch mit einem Blinddarm im Krankenhaus. Sicherlich ist auch tragisch, dass in der Schlacht bei Ypern 1914 über 100.000 meist junge Männer ihr Leben ließen, aber vielleicht ist noch tragischer, daß sie der darin teilnehmende Gefreite Adolf Hitler ganz unversehrt überstand...
Die wahren Anarchisten sind die holländischen Fahrradfahrer. Ihnen ist keine rote Ampel heilig, an jeder noch so stark von Autos befahrenen Kreuzung gilt allein die Devise, dass jeder Platz zum Vorwärtskommen rücksichtslos ausgenutzt wird. So bleibt einem als unschuldiger Fußgänger, da ein grünes Verkehrslicht keinerlei Garantie für das ungefährdete Überqueren der Sraße bietet, gar nichts anderes übrig, als sich ebenso in die Reihe der Anarchisten einzugliedern und es ihnen nachzumachen. Teddy hatte so verdammt Recht, daß man's sich am liebsten als Bauernmalerei über die Tür hängen möchte: Es gibt kein richtiges Leben im falschen.
Bescheidenheit kann ich mir nicht leisten.
Internetkunst (Einleitung): Es ist ja nur zu verständlich, dass fiebrig allerorten nach der ersten gültigen Internetkunst Ausschau gehalten wird; aber dabei ist doch ihr erster wirklicher Vertreter bereits tot. Xenth von Podewils (unter den Pseudonyma Andreas Maier, Julia Mayer oder Ron Schuman publik), kam von der Kunstkritik, verfaßte nebenbei Satire und hielt sich als Programmierer über Wasser. Ihm gelang es als Erster, sich im neuen Medium ästhetisch respektablen Ausdruck zu verschaffen, auf ebenso vielfältige wie witzige Weise, durchweg technisch brilliant. Dabei blieb die eigene Person stets im Hintergrund - gemäß der allgemeinen Anonymität im globalen Dorf. Noch immer finden sich heute hin und wieder zufällig neue, unbekannte Werke im Netz, die er hinterließ. Hier soll wenigstens auf die Opera, deren Spuren schon verblaßt sind im Netz - sprich gelöscht -, noch ein Mal ein Licht geworfen werden. Zu seiner Vita: Xenth von Podewils wurde 1969 in Hannover geboren. Er studierte Kunstgeschichte und Informatik, und verdingte sich als Freelancer von Berlin aus für zahlreiche Firmen in Europa. 1999 veröffentlichte er erste Arbeiten in und mit dem Internet. Computerkunst wurde fortan sein Tätigkeitsfeld als Künstler; dabei blieb er immer in annähernd völliger Anonymität, nur durch ein verstricktes Geflecht von Verweisen, im wahrsten Sinne des Wortes nämlich, Links, machte er auf sich aufmerksam, um für ein paar Tage oder Stunden (die Performance "Doppelklick" belief sich auf die mal zwei multiplizierte Dauer eines Mausklicks - 0.2 Sekunden) etwas im Netz zu präsentieren. Seine konzeptuelle Ästhetik ist an Warhol und Kippenberger geschult. Im Alter von nur 34 Jahren starb Xenth von Podewils bei einem Autounfall in Dresden. Ein Platz in der Kunstgeschichte ist ihm sicher.
Internetkunst (I): "Windows"; Installation/Performance. Als "Installationskünstler" installierte von Podewils das neue Windows 2000. Jeder Mensch sei ein Künstler, so von Podewils, wenn er Windows installieren könne. Zwei Computer standen hierfür beieinander, auf dem einen wurde das Betriebssystem installiert, bis er via Netzwerk dazu fähig war, den anderen anzusteuern und dessen Inhalt komplett zu löschen. War dies geschafft, wurde der zweite Rechner wieder neuinstalliert. Eine Webcam an der jeweils gerade funktionierenden Maschine übertrug das Ganze live in den Äther, 16 Installationen konnten am Ende (nach Ablauf von 24 Stunden) gezählt werden. Einer der beiden Computer war dabei allerdings beinahe vollständig verschlissen worden.
Internetkunst (II): "3.9mb". Größe einer mp3-Digitalisierung von John Cages legendärem Stück 4'33". Auf der Website konnte man dieses File nicht nur herunterladen, sondern es wurde bereits bei Betreten automatisch abgespielt.
Internetkunst (III): "Liste1". Eine Liste von Links, deren Inhalte vorsätzlich einander opponierten: So stand der Link zur Website einer Hebamme einem Verweis zum nahegelegensten Bestattungsinstitut gegenüber, ebenso wurden gezielt verschiedene politische Langer entgegengesetzt, wie auch Religionen, Weltauffassungen etc. Als mediale Verwirklichung der Assemblage gelang von Podewils mit einfachen Mitteln der Collage-Technik die komplexe Verschaltung quasi-semiotischer Objekte nach dem Kontrastprinzip, ein Spiegel der ethisch-moralischen Widersprüche unserer Gesellschaft.
Internetkunst (IV): "Liste2". Entgegen der üblichen Norm zur Deklaration der 'Abstandnahme von Inhalten externer Links' auf den herkömmlichen Auflistungen im Internet versicherte von Podewils bei dieser Sammlung, dass er die volle Verantwortung der Links übernähme, um dann massenhaft auf übelste Porno-, Atombombenbauanleitungs- und kriegsverherrlichende Sites zu leiten. Jedoch vergaß er auch nicht, auf seinen Trick hinzuweisen: Zwischen jedem Hyperlink war noch eine Seite dazwischengeschaltet, zu der zuächst navigiert wurde und auf der er - rechtlich korrekt - sich wiederum von allen folgenden link-Inhalten distanzierte. Nur ging der Vorgang so schnell, dass diese Zwischenseite gar nicht ins Augenmerk fallen konnte. Von Podewils muss dabei wohl auch Rücksprache mit einem rechtlichem Beistand gehalten haben. Ihm war daran gelegen, auf Dilemmata der Gesetzgebung im Internet hinzuweisen und die läppischen Möglichkeiten aufzuzeigen, die diese Reglements umschiffbar machen.
Internetkunst (V): "Groß ist die Zahl der Dinge, derer ich nicht bedarf." Mehrere Male stellte von Podewils ein großes Website-Environment ins Netz, auf dem Besucher die Möglichkeit gegeben wurde, bei jedem Betreten eine Datei der Site zu löschen. Ein Stoppuhr lief mit. Hatte die erste Website noch eine Lebzeit von 134 Tagen, die nächste nur noch 34, war die fünfte und letzte nach nur 6 Stunden aus dem Internet verschwunden. Als nach Tagen Teile der vermeintlichen Website anderswo im Netz wieder auftauchten, "aus dem Papierkorb gefischt", erklärte von Podewils das Projekt für gescheitert. Sechs Monate lang war daraufhin von ihm im Web nichts zu hören.
Internetkunst (VI): "Windows Explorer gegen das Vergessen". Mit dessen zusätzlicher "Gedenkfunktion" erklang jedesmal, wenn man von einer Website mit der Endung .de auf eine mit .pl wechselte das Thema aus "Lés Préludes" von Franz Liszt, dem einstigen Radio-Jingle der Nazis für Berichterstattungen von der Front. Diese Aktion war äußerst umstritten und bald wieder aus dem Netz verschwunden. Rechtsradikale Trittbrettfahrer drohten die aufklärerisch gedachte Idee für ihre Zwecke propagandistisch zu mißbrauchen.
Internetkunst (VII): "Unterschriftenaktion". Mit diesem Programm ließen sich von einer D-Info Telefonbuch-CD-Rom sämtliche Namen mit Wohnort nehmen und als Eintragungen für digitale Unterschriftenaktionen einsetzen. Dabei konnte der Inhalt jeder Aktion vom Nutzer selbst ausgedacht werden, so daß für praktisch jeden Sinn oder Unsinn ganz Deutschland firmierte. Von Podewils prangerte damit die Fragwürdigkeit digitaler Unterschriftenaktionen an.
Internetkunst (VIII): "Das Ende des Internets". Die wohl meistkopierte Idee von Podewils. Im Nachhinein erklärte er sich aber einverstanden damit, dass es noch weitere Enden des Internets gäbe. Er hatte jedenfalls "vorsorglich, wenn das zeitliche Ende des Internets gekommen ist, das Wichtigste auf einer Diskette gespeichert". Was auf dieser Diskette war, galt als eines der meistgehütetsten Geheimnisse der weltweiten Internet-Community, worüber viel gemunkelt wurde. Als von Podewils später verlauten ließ, daß er diese ominöse Diskette vernichtet und somit das "zweite Ende des Internets" bereits vollführt hätte, schossen die Spekulationen massenhaft ins Kraut. "Von nun an steht das Internet ohne Backup da", sekundierte der Meister. Was wie ein Scherz klang, war eine Mahnung zum gewissenhafteren Umgang mit dem Medium.
Internetkunst (IX, Ende): "Chaos im Chaos Computer Club". Das vermutlich letzte Werk, dem von Podewils mindestens das theoretische Profil gab: Programmierer hackten die Rechner der wohl bekanntesten professionellen Hacker, dem Chaos Computer Club. Aus Tätern wurden öffentlich vorgeführte Opfer, die mit ihren originär eigenen Waffen geschlagen worden waren. Wieweit von Podewils tatsächlich selbst in der Durchführung involviert war, wird wohl nicht mehr endgültig klärbar sein; zumindest gilt er als der geistige Vater dieser spektakulären Aktion.
In Amsterdam gibt es ein Fotografie-Museum, in dem es doch tatsächlich verboten ist, zu fotografieren.
Wenn jemand eigentlich nie gut schläft und zudem noch meist Übles träumt, kann man doch wohl sagen, dass der- oder diejenige "schlecht im Bett" sei, oder?
Immer wieder, wenn ich mit einer größeren Gruppe in der Kneipe sitze, kommt es vor, dass jemand mit mir redet, ich währenddessen aber irgendwann realisiere, dass das Thema, worum das Gespräch nebenan gerade kreist, mich eigentlich viel mehr interessiert als die eigene Konversation. Da nun die Neugier praktisch nicht unterdrückbar ist, mime ich dann eben den Zuhörer, verfolge im Geheimen aber die andere Runde mit. Das ist auf die Dauer natürlich anstrengend und schwer durchzuhalten; mir kommt dabei die Erinnerung an einen schönen Sport aus der Jugend hoch: Beim Wochenendjob an einer Hotelrezeption machten es mein Kollege und ich uns zur Herausforderung, inmitten eines Telefonats, wenn gerade der Partner am anderen Ende der Leitung sprach, den Hörer mindestens zwei oder mehr Sekunden weit von sich weg zu halten, um dann wieder ins Gespräch einzusteigen und den verpassten Gesprächsfetzen aber irgendwie möglichst unbemerkt zu lassen. Dass das manches Mal zu den fatalsten Folgen führte, wird sich jeder ausmalen können. Den Spaß war's trotzdem wert.
Schwarzfahren in der Deutschen Bahn ist riskant, kann aber funktionieren. Wenn man beispielsweise so tut, als würde man schlafen, stehen die Chancen gar nicht so schlecht, dass der Kontrolleur einen verschont. Noch wirksamer als den Schlafenden markieren ist nun, ich verdanke diesen Tipp der Bundeswehr, sich Totstellen! Aber seien Sie ja hartnäckig.
Andere brauchen Alkohol um Einschlafen zu können, ich wende ihn dafür an, um aufzuwachen.
Dürfen Moslems sich denn schweinische Witze erzählen?
Das Studium der Regie folgt einem strengen Plan: Am Ende eines jeden Semsters muss entweder eine Dokumentation, ein Kurzfilm, ein Sportberichterstattung, ein Langfilm o.ä. abgeliefert werden, so dass man nach und nach im Laufe des Studiums jede Sparte einmal geschult und erfolgreich absolviert hat. Nur: Wo bleibt da dann, gemäß den Anforderungen des Marktes, und darauf muss die Ausbildung doch abzielen, in dieser Reihe bitte der Pornofilm? Unsere Hochschulen sind noch immer viel zu weltfremd und gehen an den tatsächlichen ökonomischen Bedürfnissen völlig blind vorbei.
Angesichts der Mode der 80er Jahre wundere ich mich schon, dass sich die Menschheit überhaupt noch fortgepflanzt hat.
Oscar Wilde hatte bereits geahnt, dass vielmehr das Leben die Kunst nachahmt. So konnte ich eine Verwirklichung von Franz Kafkas Parabel "Gib's auf" in der Gegend vor Leipzig erleben, als ich eine Unterkunft für die Nacht suchte. In einer kleinen Ortschaft stand an der Hauptstraße ein Haus, dessen Fassade mit den großen Lettern "Pension" beschriftet war. Untendrin betrat man eine Kneipe von aufgeladener Atmosphäre; mit schweigender Musterung empfing den Fremden darin die proletarische Dorfgemeinschaft. Schon etwas unbehagt dadurch, wendete ich mich dann an den Wirt mit der Frage, ob man hier übernachten könne, worauf dieser in einem derart entschiedenen Ton, dass es die völlige Sinnlosigkeit jeglicher weiteren Konversation implizierte, kurz und rasch den Kopf schüttelnd antwortete: "Nein.".
Heute habe ich große Lust, schlecht drauf zu sein.
„Nimm dir die Sahne, Baby!“
„Jetzt gibt’s Ochsenschwanzsuppe!"
„Das ist jetzt alles deins.“
"Bedien dich! Sei mein Gast!"
"Voilà!"
Bettler sind etwas Unsägliches, meist von organisierten Banden
geschickt, und Straßenmusikern sollte man höchstens dann
etwas geben, wenn sie gerade eine Pause einlegen. Dennoch trifft man
gelegentlich auf Gestalten, die dem geneigten Spender durchaus eine
besondere Attraktion bieten (die Freiwilligkeit sei wiederum
dahingestellt), und so kann ich mittlerweile einiges Kuriose
verzeichnen:
-Brüssel: Ein Mann stellte seine zwei daliegenden Hunde aus, denen
er Sonnenbrillen aufgesetzt hatte.
-Stuttgart: Ein junger Mann drehte seinen Ghetto-Blaster mit
Techno-Musik auf und spackte dazu rum.
-Amsterdam: Einer stimmte nur seine Gitarrensaiten, während sein
Helfer sehr aufdringlich Geld dafür eintrieb. Ich
beobachtete es 20 Minuten lang.
-Amsterdam: Ein unbeschreiblich grosser Haufen Hundescheiße gab
ein Bettler als sein Werk aus. (Junge deutsche Touristen
ließen sich davor sogar noch fotografieren.)
(Sammlung wird fortgeführt)
Als ich am Kopenhagener Flughafen angekommen war, hatte auch auf einmal so eine komische, visuell verwackelte Wahrnehmung von Allem. Erst später kam ich hinter die ursächliche Konditionierung – für mich war die dänische Sprache bislang nur mit den Dogma-Filmen verbunden gewesen.
Diese landläufige These der halogeniden Sättigungskonkordanz von Metallkationen auf Basis elekrophiler Säureresonatoren muss endlich aus der Welt geschafft werden!
Wenn Frauen ihrer Klitoris einen Namen geben sollten, ist der in Umfragen meistgenannte Name Katharina.
Ein Proktologe ist ein Mediziner, der bei der Entscheidung zur Spezialisierung praktisch die "Arsch-Karte" gezogen hat. Dasselbe könnte man auch formulieren für einen Mann, dessen Schicksal die Homosexualität ist. (Den Arsch-Doktor indessen möchte man lieber manchen Charakteren empfehlen..)
Fragen an die Etymologie: Beleidigte Leberwurst, Hackfresse, Dildo, Flachbrettwichser.
Schmerzlich (Titanic-Version)
An manche Tage denke ich nur äußerst ungern zurück. So
wurde ich am 9.11.1989 mit einem höllisch schmerzenden
Blinddarmdurchbruch ins Krankenhaus eingeliefert. Hingegen am 3.10.1990
verließ mich, nach einem fürchterlichen Streit und dazu auch
noch vor den Augen meiner ganzen Verwandtschaft, meine erste
große Liebe. Wegen mir also müssten diese Daten wirklich
nicht jedes Jahr wieder in Erinnerung gerufen werden.
Kaum noch deutbar sind manche Symbole aus Andrej Tarkowskijs Film "Stalker". Ich kann nun aber enthüllen, was der anmutige schwarze Hund bedeutet, den Stalker aus der 'Zone' mit nach Hause bringt: Er steht für die Sexualität.
Von allen Hunde-Warnschildern mag ich am liebsten "Achtung - pflichtbewusster Hund".
Ich hatte einmal eine Funkuhr, die aufgrund einer unglücklichen Zeigerrückung auf die Tausendstelsekunde genau um 1 Stunde und 17 Minuten vorging. So war ein Blick aufs Ziffernblatt schon sinnvoll, zwang allerdings noch zu einer kleinen Denkübung, toll oder?
Frage des abgewiesenen Intellektuellen: Was hat er nicht, was ich habe?
Da ich mir die Krankheit einbildete, verfehlte das Placebo natürlich seine Wirkung, genauer gesagt handelte es sich dann um einen klassischen negativen Placebo-Effekt. Genau wie bei Schubert laut H.H.Eggebrecht sich die Musik am Höhepunkt manches Mal in negatives Dur ergibt. Und wenn etwas nicht funktioniert, sollte man das nie vorführen, all zu oft ereignet sich nämlich dann der berüchtigte negative Vorführeffekt.
Männer sind viel sensibler und emotionaler als Frauen: Der Geschäftskollege eines Bekannten brach in Tränen aus, als durch ein Festplattencrash all seine Pornos gelöscht wurden.
Auf einer der vielen Demonstrationen gegen Studiengebühren 2004 variierte eine Aktionistin den seinerzeit aktuellen Promarkt-Werbeslogan "Geiz ist geil" in "Geist ist geil". Das ist natürlich viel zu gut, es schwappt über in ästhetische Autonomie; im Grunde wird damit die ganze Demonstration weggewischt in die Dekadenz. Es gibt sich lediglich die Elite zu erkennen. (Seinerzeit ein schönes Beispiel war bei den Montagsdemonstrationen, als unter den "Wir sind das Volk"-Skandierungen einer das Schild hielt "Ich bin Volker".) Das zeigt, dass in Zukunft alle Gagschreiber brauchen: Ärzte, Bundespräsidenten, auch Gewerkschaften, der Papst.
Ich hätte gehofft, dass mir der Wahl-O-Mat die Empfehlung aussprächte, besser nicht wählen zu gehen.
-"Tschüß!"
-"Ja."
Jetzt schlägt der Masochist zurück.
Durcheinander gebracht
Mich, Sohn praktizierender Christen, fragte neulich ein Bekannter nach
dem Hintergrund des Pfingstfestes, welches wieder einmal anstand.
Klärung tat Not, denn seine Frage zeugte von einiger Konfusion:
„Saßen an Pfingsten nicht die Jünger Jesu verdrossen herum,
weil er ans Kreuz genagelt worden war, und dann kam plötzlich der
heilige Geist, und alle waren mit einem Schlag schwanger?“
Ich bin tatsächlich in meiner 5jährigen Freiburger Zeit nur auf einen einzigen Theaterbesuch gekommen. Einmal wollte ich in ein Stück von Elfriede Jelinek gehen, kam aber erst kurz vor Beginn dort an und dann war das Haus schon ausverkauft. Alternativ(!) besuchte ich an dem Abend dann im Münster die Johannespassion(!). Dieses Erlebnis erzählte ich wiederum meiner Begleitung bei besagtem, tatsächlich stattgefundenen Theaterbesuch, Becketts „Glückliche Tage“, an der Kasse, worauf ein Ehepaar vor uns in der Schlange in Tränen ausbrach vor Lachen angesichts dieses „Plan B“.
Überfälliger Paradigmenwechsel (Titanic-Version)
Schluss mit dem landläufigen Unfug von der halogeniden
Sättigungskonkordanz von Metallkationen auf Basis elekrophiler
Säureresonatoren!
Es ist eine gewichtige Tatsache, dass jeder Standpunkt immer nur ein subjektiver, jede Aussage immer nur die eigene Perspektive ist und dass man dies auch in jedem Kommunikationsakt bewusst mit-kommunizieren sollte. Und diese Ansicht teilt neuerdings mit mir die Deutsche Bahn, denn in einem Regionalexpress sagte der Schaffner unlängst durch: „Ich würde bei der nächsten Haltestelle in Fahrtrichtung rechts aussteigen.“
Pawlowscher Hund (Titanic-Version)
Als ich am Kopenhagener Flughafen ankam, hatte ich auf einmal so eine
seltsame, visuell verwackelte Wahrnehmung. Erst später wurde mir
die ursächliche Konditionierung bewußt – für mich war
die dänische Sprache bislang exklusiv mit den Dogma-Filmen
verbunden gewesen.
In Darmstadt erklärte Helmut Lachenmann über eine Stelle aus seinem Cellostück „Pression“, dass sie die „Schweinestall-Stelle“ sei, wegen ihres grunzenden Klangeffekts. Neue Musik und Schweine – endlich wird das mal thematisiert.
Immer Freitags habe ich keine Lust auf Fisch.
„Ich benutze Windows!“ –„Ja Heinz. Und jetzt nimm deine Tabletten!“
Keine Witze über den Humor!
„Ich beschäftige mich mit der Auswirkung juristischer Fehlinterpretationen am Hofe von Versailles auf das Herrschaftsverhalten der letzten französischen Könige.“ –„Ja Reinhold. Und jetzt räum dein Kinderzimmer auf.“
Hart durchgreifen
Lächerlich, wie einer jetzt doch tatsächlich behaupten will,
der Kreml sehe von Weitem zwar ganz hübsch aus, sei in
Wirklichkeit aber architektonisch total verhunzt, und zudem lägen
ihm sogar Beweise für dessen marode Bausubstanz vor.
Kreml-Kritiker gehören mit den perfidesten Mitteln ausgeschaltet.
[Anmerkung: Dieser Text entstand im Dezember 2006, als der
Kreml-Kritiker Litwinenko mit einer (von Unbekannten Attentätern
verabreichten) radioaktiven Vergiftung in einem Londoner Krankenhaus
verstarb.]
Gedächtslücken (1): Ein Kropf ist so unnötig wie dingens; zwei Eier gleichen einander wie dingens; Nachbars Lumpi ist spitz wie dingens; der alte Schlosshund heult wie dingens; eine bare Münze nehme ich für dingens; wenn ich Innsbruck verlassen muss, singe ich dingens; wer Äpfel mit Birnen vergleicht, holt sich schnell den Einwand ein, dingens; mit dem Versuchsballon starten wir mal einen dingens; diese Kloßbrühe ist so klar wie dingens; meine warmen Semmeln gehen weg wie dingens.
"Ich schreibe meine Dissertation über das protestantische Volkslied im 17. Jahrhundert und leiste damit einen wesentlichen Beitrag zur Forschung des Volksliedes im Allgemeinen" - "Gewiss, Peter. Wichtig ist einfach nur, dass du glücklich bist."
Das Hauptmotiv von Beethovens 5. Symphonie beginnt mit einer großen Terz, das Hauptmotiv von Bruckners 5. Symphonie mit einer kleinen Terz. Was sehen wir daran? Beethoven war der größere Komponist.
Das Ding ist der Vater aller Kriege.
Dingens (2?): Wenn einem bekannt ist, wo der Butler den Most holt, weiß man, wo dingens; Schnee von gestern ist doch dingens; nachdem ich gerädert wurde, fühlte ich mich wie dingens; wenn man mit etwas keinen Hund hinterm Ofen vorlocken kann, dann kann man damit wohl dingens; Karnickel vermehren sich wie die dingens; wenn ich auf glühenden Kohlen gehe, fühle ich mich wie auf dingens; Pech und Schwefel halten zusammen wie dingens; der Teufel ist hinter der armen Seele her wie dingens; der Krieg ist der Vater aller dingens.
wird fortgesetzt